Jakob Odinius hat im KWG einen Vortrag über den Juden Solly Ganor gehalten
Der Holocaustüberlebende Solly Ganor hat die schrecklichen Folgen des Zweiten Weltkrieges am eigenen Leib erfahren. Jakob Odinius hat Schülern im König-Wilhelm-Gymnasium das Schicksal Ganors geschildert.
"Ganor hat mit Gefangennahme, Deportation und Konzentrationslager das ganze Ausmaß des Krieges kennen gelernt", sagte Schulleiter Georg Wieners. Jakob Odinius, Träger des Bundesverdienstkreuzes, überbrachte den Schülern die Botschaft seines langjährigen Freundes Solly Ganor. Odinius ist in den vergangenen Jahren als Stabsoffizier der Bundeswehr im ehemaligen Bunker UTA in Landsberg für die Erinnerungsarbeit verantwortlich gewesen.
Nach vielen gemeinsamen Veranstaltungen der beiden kann Ganor als 85-Jähriger nicht mehr aufwändig durch Deutschland reisen. Das Bewusstsein der Jugendlichen zum Schutz der Freiheit und Demokratie zu schärfen hat deswegen sein Freund Jakob Odinius sich zur Aufgabe gemacht.
Der Vortrag befasste sich mit der Biografie Solly Ganors, der als 13-Jähriger erlebt hat, wie deutsche Truppen im Sommer 1941 in seine Heimatstadt in Kaunas/Litauen eingefallen sind. Mit seiner Familie wurde er ins Ghetto vertrieben und 1944 mit seinem Vater in ein Außenlager des KZ Dachau deportiert.
Im Lager X (Utting am Ammersee) erfuhr Solly am eigenen Leibe, was Nationalsozialisten unter "Vernichtung durch Arbeit" verstanden. Am 2. Mai 1945 wurde er von amerikanischen Soldaten befreit. Sollys Biografie machte deutlich, dass es sich nicht um Einzelschicksale handelte, sondern um ein mörderisches System.
"Der Vortrag erinnert an ein Kapitel deutscher Geschichte, das nicht in Vergessenheit geraten darf", sagte Bürgermeister Alexander Fischer, der die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte. Die Nazizeit habe das Leben der Deutschen maßgeblich verändert und das Schicksal von Millionen Menschen auf grausame Weise bestimmt, so Fischer weiter.
"Die vielen Toten, Heimatlosen und Opfer des unsäglichen Rassismus und erschwerender Gesetze und Bestimmungen können nicht geleugnet werden", sagte Fischer. Anhand der Lebensgeschichten einzelner Menschen, wie Solly Ganor, könne die Zeit nachvollzogen werden.
Fischer erinnerte auch an die vielen Höxteraner Juden, die im zweiten Weltkrieg deportiert wurden. Stolpersteine in der Stadt erinnerten an ihr Dasein. Auch der bekannte Höxteraner Ehrenbürger Jakob Pins habe als Jude keine Zukunft mehr in Deutschland gehabt. "Wenn eines Tages keine Überlebenden aus dieser Zeit mehr da sind, besteht die Gefahr des Vergessens", stellte Fischer heraus. "Gedenken und Erinnerung an die Vergangenheit sind die Vorraussetzung für das Leben in der Gegenwart."
Initiiert worden war die Veranstaltung am KWG von der Bildungsinitiative "Das Andere Leben" und Geschichtslehrerin Sonja Bauer.
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"Der Holocaust darf nicht in Vergessenheit geraten", sagen (von links) Schulleiter Georg Wieners, Sonja Bauer, Referent Jakob Odinius und Bürgermeister Alexander Fischer (Schirmherr). Foto: Weber |
Westfalen-Blatt vom 07.12.2011
Die deutschlandweite Bildungsinitiative „Das andere Leben“ kehrt auch in Höxter ein
Jakob Odinius – Träger des Bundesverdienstkreuzes – überbringt die Botschaft des Holocaustüberlebenden Solly Ganor an die Schüler des König-Wilhelm-Gymnasiums und an das Berufskolleg Höxter. Herr Bürgermeister Alexander Fischer hat hierüber die Patenschaft übernommen. Die Schulen begrüßen diese Form von Bildung und Wertevermittlung am 01. Dezember 2011 in ihrer Schule.
„Bildet Euch eine eigene Meinung, hinterfragt Informationen kritisch, toleriert aber auch fremde Meinungen. Nur so könnt Ihr Freiheit und Demokratie schützen!“
Dies ist die Botschaft der deutschlandweiten Bildungsinitiative DAS ANDERE LEBEN. Für Solly Ganor ist es eine Herzensangelegenheit, diese Kernaussage den Jugendlichen verständlich zu machen, zu verdeutlichen wie wichtig es ist zu hinterfragen und sich seine eigene Meinung zu bilden.
Solly, der als Dreizehnjähriger erlebt, wie die deutschen Truppen im Sommer 1941 in seine Heimatstadt Kaunas/Litauen einfallen, verliert von einem auf den anderen Tag seine Kindheit. Er wird mit seiner Familie ins Ghetto getrieben und muss zusehen, wie Freunde und Verwandte bei zahlreichen so genannten Aktionen der neuen Machthaber zur Vernichtung selektiert oder auf der Stelle ermordet werden. 1944 wird das Ghetto aufgelöst und er wird zusammen mit seinem Vater in ein Außenlager des KZ Dachau deportiert. Inmitten einer bayerischen Bilderbuchlandschaft, im Lager X (Utting am Ammersee), erfährt Solly am eigenen Leibe, was Nationalsozialisten unter "Vernichtung durch Arbeit" verstehen. Vor den anrückenden Alliierten wird er mit den wenigen noch lebenden Häftlingen auf einem der berüchtigten Todesmärsche in Richtung Alpen getrieben. Am 02. Mai 1945 wird er von amerikanischen Soldaten befreit.
Unterstützt wird Solly Ganor von seinem langjährigen Freund Jakob Odinius, der als Stabsoffizier der Bundeswehr im ehemaligen Bunker UTA in Landsberg verantwortlich für die Erinnerungsarbeit war. Nach vielen gemeinsamen Veranstaltungen der beiden kann Ganor heute als 85jähriger nicht mehr so viel durch Deutschland reisen, wie er gerne möchte. Über seine Herzensangelegenheit zu sprechen und das Bewusstsein der Jugendlichen zum Schutz der Freiheit und Demokratie zu schärfen hat sein Freund Jakob Odinius sich der Aufgabe verschrieben und reist im Namen von Solly Ganor durch Deutschlands Städte und Schulen.
Der fast zweistündige Vortrag von Jakob Odinius befasst sich mit der Biografie Solly Ganors, aber auch anderer Zeitzeugen. Er verdeutlicht, dass es sich eben nicht um Einzelschicksale handelte, sondern um ein mörderisches System. Ausgewählte Geschichten aus Solly Ganors Autobiografie dienen als Diskussionsgrundlage. Freundschaft, Bildung, Erziehung, Respekt und weitere Themen werden von Odinius den Jugendlichen verständlich vorgetragen. Die Schüler haben die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen. So entsteht ein Dialog, der nachhaltig zum Denken bewegt.
Weiterführende Informationen zu der deutschlandweiten Bildungsinitiative erhalten Sie auf http://www.die-bildungsinitiative.de.
Projektkommunikation:
Kristin Martini - Projektsteuerung „Das andere Leben“
Telefon 04221 - 123 91 92
Mobil 0176 - 961 07 228
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